Eine Woche hatte ich ein Stück Heimat zu Besuch in Aix. Und die Heimat nahm mich auf dem Rückweg gleich mit! Nun sitze ich wieder in meiner "Abstellkammer" (O-Ton C.E. :) in Aix und blicke gespannt auf die nächsten zwei Monate, und was sie mir wohl noch bringen. Sicher werden sie sehr schnell vergehen, bald geht's für mich hier in die heiße Phase - nächste Woche mein erstes Referat *bibber* und dann fast jede Woche Referat oder Prüfung. Doch ich kann frisch gestärkt durch die positive Energie ganz besonderer Menschen wieder neu anknüpfen.
Dennoch freue ich mich auch wieder auf Deutschland. Auf den Sommer in Deutschland. Und besonders auf Berlin. In den paar Tagen dort habe ich sehr stark gemerkt, dass ich mich im Moment sehr wohl fühle dort. Und beschlossen, dort auch nach dem Bachelor erst einmal zu bleiben. Egal, was kommen mag, Master oder sonstwas. Wenigstens ein Fixpunkt, wenn ich sonst schon planlos in die Zukunft stolpere.
Es war ein seltsames Gefühl, als ich im Flugzeug die Küste Nizzas immer näher kommen sah. Ich dachte mir: Wow, das ist wunderschön. - Aber: Auf Dauer ist das nicht mein Platz. Ich vermisse hier das Unkonventionelle, was ich an Berlin so schätze, dieses Einfach-so-sein-wie-du-bist. Und das deutsche Brot natürlich *g*. ...Und ein paar liebe Menschen.
Ich denke an euch, wo-auch-immer ihr seid, was-auch-immer ihr tut...
Und hier noch ein kleiner Rückblick in Bildern:
auf dem Mont Saint Victoire
in Marseille
Geburtstag in den Calanques
Und endlich wieder bei den Superbabys Nuni und Tani:
Marseille, Grenoble, endlich ein paar Menschen, mit denen ich etwas unternehmen oder einfach mal zusammen in der Mensa essen kann, ab und zu eine Erasmus-Aktion, Unialltag und Waschsalon, und es wird hier Frühling... die Tage überschlagen sich zum Teil grad irgendwie und ich habe das Gefühl, nun vergeht die Zeit wie im Fluge.... und doch bleibt sehr viel Zeit zum Nachdenken, zum Beispiel eben im Waschsalon :).
Plakat von unserem Konzert, mit dabei die wirklich wirklich guten Chöre von Nancy und Grenoble:
Ein Teil des Chores Kol ha Shalom Aix-Marseille:
Mein Adoptivopi Paul :) aus meinem Chor und seine ebenfalls liebe Frau Colette. Das Wochenende in Grenoble habe ich mit den beiden bei ihren Verwandten verbracht, die mich rundum verwöhnt haben:
Pont Saint-Laurent in Grenoble:
La Bastille, encore une fois Grenoble:
Kleine Rachel, großer Hafen -Marseille:
Fussballfieber (Vélodrôme Olympique de Marseille):
"Nous sommes les Marseillais... et nous allons gagner" ...gewonnen haben sie leider nicht - 1:1 gegen Lorient
Challo, Challo, hier ein paar Bilder und Videos der letzten Zeit. Letzte Woche mit dem Chor, das war super! Hab das Meer gesehn :). Und nächstes Wochenende fahre ich mit ebendiesem Chor nach Grenoble, zu einer Art Chorfreizeit. Es wird ein Treffen von jüdischen Chören aus Aix-Marseille, Grenoble und Nancy, und Samstag Abend werden wir einen Auftritt haben, mein erster Auftritt mit dem Chor!! Ansosten war letzte Woche Purim, jüdisches Fasching... naja, so ähnlich. Ach und dann war ja noch die Party bei meiner Nachbarin Noemie, auf der ich mich die meiste Zeit gelangweilt und Erdnussflips gegessen habe... :) Aber seht selbst:
Impressionen Aix-en-Provence:
Das Cézanne Kino
Einer der wenigen Teeläden in Aix (bisher der einzige, den ich kenne :)
Partygäste:
Marie
meine Nachbarin Noemie (mitte) und ihre Freundin Aurélie
Noemie und ihre Schwester Clara (links) plus Freundin
hm, weiß nich mehr, wie die alle heißen, ah doch fast: (von links) Cécile (aus Avignon!), weiß nicht mehr, Aurélie (auch wenn man's nich sieht, das, was sie anhat, is n bodenlanges Abendkleid.... für ne stinknormale Party..), Martin
Purim:
Rachelie Rotkäppchen oder Petit Chaperon Rouge
mein Nachbar Yann
unser Rabbi Nissim Sultan... :)
mein Judaistik Dozent Monsieur Jean-Marc Chouraqui... ich konnte mir das Grinsen am nächsten Tag in der Vorlesung nicht verkneifen... :) besonders, nachdem er später am Abend noch mit dem Rabbi tanzte...
Die Videos sind nich so toll, aber ich lasse euch trotzdem daran teilhaben :):
Unser Rabbi liest die Purim Geschichte "Megilath Esther"
Heute war ich bei der Chorprobe. Und ja, "Bei mir bistu schejn" befindet sich doch tatsächlich im Repertoire! Mit vielen anderen wunderschönen Liedern auf Hebräisch, Jiddisch und Ladino. Es sind ca. zehn superliebe Menschen zwischen 40 und 60 am Start, die Chorleiterin ist aus Argentinien und wir machen Dehnübungen zur Aufwärmung. Es ist toll!!! Und ich muss auch nur die Treppen runter, und schon bin ich da, schwupps! Schon praktisch :). Dieser kleine Chor singt ab und zu zusammen mit dem Chor in Marseille, so auch diesen Sonntag, bei einer Feier eines jüdischen Festes (Purim), und dorthin wollen sie mich gleich mitnehmen. Ich kann bei der Chorprobe teilnehmen, dann das Konzert anhören (theoretisch dürfte ich auch schon mitsingen, aber das ist doch ein bisschen früh), und dann mitfeiern. Toll, toll, toll! Ich freue mich :).
Ach, und heute habe ich endlich den ALDI Marché gefunden! Ich wusste, er existiert irgendwo!
So, heute hab ich mich angemeldet! Ab nächster Woche Montag spiel' ich mit in der Frauenfußballmannschaft der Uni. Bzw., so richtig offiziell angemeldet bin ich noch nicht, denn an meiner Uni braucht man eine Bescheinigung von einem Arzt, in der steht, dass man gesund ist und Sport treiben darf. Toll, wo soll ichn das jetzt herkriegen? Naja, ich muss irgendwie erfinderisch sein :). Auf jeden Fall habe ich mit dem Trainer geredet, der wirkt sehr nett und hat sich sehr gefreut, dass ich einsteigen will. Blöd is nur, dass der Kurs sich mit meinem Judaistik-Kurs überschneidet, d.h. ich werd immer erst ein wenig später beim Fußball erscheinen können. Naja, nich so schlimm.
Und: Mango macht gute Laune :).
Samstag, 20. Februar 2010
Hab heute angefangen, zu joggen... Heute abend ist bei meiner Nachbarin Party. Mal schauen wie's wird.
Es regnet... Wo ist sie hin, die Sonne? Naja, 65 Tage im Jahr darf sie sich ja laut Wetterstatistik zurückziehen. Allmählich werde ich zwar wieder gesund, aber bei der Kombi aus Regen & Wind möchte man sich trotzdem nur im Bett mit nem Tee verkriechen. Nun ja, hab mir schon ein Referat für die Woche nach den Ferien aufgehalst, dann kann ich mich mal damit beschäftigen. Naja, so viel Neues gibt es irgendwie gar nicht zu berichten. Ich trinke abends ab und zu nen Tee mit den Nachbarn, oder man quatscht mal im Gang, und im Moment plätschert der Alltag ein wenig vor sich hin. Bin noch ganz schön geplättet von der Krankheit und ein wenig unmotiviert, aber nächste Woche gehts ja wieder voll los mit Uni & Co. Ich möchte dann bei der Fußballfrauenmannschaft meiner Uni vorbeischnuppern. Die sollen ganz schön gut sein, und auch bei Turnieren und so teilnehmen. Mal schauen, ob das was für mich ist und ich da mithalten kann. Und den Uni-Chor möchte ich mal aufsuchen. Wir haben hier zwar auch einen Chor im jüdischen Zentrum, allerdings habe ich bisher nur abschreckendes gehört.... wohl nur liebe ältere Omis und so... Hm, aber vielleicht geb ich dem ganzen eine Chance und geh mal zu einer Probe. Vielleicht singen die supertolle jiddische Lieder à la "Bei mir bistu schejn" und ich verpasse was? Das würde ich dann schließlich in meiner letzten Woche hier herausfinden und mich grün und blau ärgern :). Oh, ich hab nen Ohrwurm wer hätt's gedacht...:) Wem's noch so geht: http://www.youtube.com/watch?v=ZUVEq6NC7mM Oh, hoffentlich hoffentlich singen die sowas im Chor... jaaa, ich werde hingehen.... "... bei mir bistu der schejnster ojp der welt..." *sing*
Nach einigen Turbulenzen (nur so als Beispiel: Als ich mit meiner family in Nürnberg ankomme, stelle ich fest, dass ich mein Ticket für die Busfahrt Nürnberg – Aix vergessen habe……ahhhhhhh!!!!!....) bin ich in meinem Zimmer im jüdischen Zenrum – Centre Darius Milhaud (Dieser Mensch war ein jüdischer Komponist. Die jüdische Gemeinde in Aix umfasst übrigens ca. 600 Familien, die meisten davon stammen aus Nordafrika; die Gemeinde in Marseille ist um einiges größer)– angekommen. Ich habe ein kleines Appartement mit Mini-Küchenzeile und eigenem, recht großen Badezimmer. Im Haus, das direkt neben der Synagoge in der Rue de Jérusalem steht, wohnen noch neun andere Menschen, die meisten französische Studenten, zwei sind Israelis. Das heißt ich spreche hier so gut wie nur Französisch. Ein paar Wenige wollen ab und zu ihre Deutsch-Kenntnisse an mir testen :).
Die Innenstadt von Aix ist wirklich niedlich, im Zentrum „La Rotonde“, ein Kreisverkehr mit Brunnen, sehr hübsch, und von dort ausgehend die „Cours Mirabeau“, eine sehr schöne, große Fußgängerzone, von der ganz ganz viele kleine malerische Gässchen abgehen. Alles aber sehr schnell zu durchblicken, auch mit schlechtem Orientierungssinn.
Zu meiner Uni laufe ich vom Centre aus ca. 20 Minuten. An der Uni war ich aber bisher noch gar nicht soooo oft, da ich in den ersten Tagen noch ziemlich damit beschäftigt war, im französischen Alltag anzukommen, und mir mein Zimmer ein bisschen wohnlich zu machen, da hier außer ein paar Möbeln gaaar nüscht stand. Also nich´ mal `n Teller, `n Topf oder `n Löffel. Auch sonst war am Anfang nicht alles so optimal: Verschimmelter Duschvorhang, Heizung kaputt. Aber gut, wurde mittlerweile alles geregelt.
Ich habe bisher zwei Kurse besucht: Einen am Germanistik-Institut (ich muss da einen Kurs belegen, sagt Erasmus), da habe ich „Der deutsche Film“ gewählt (meine Erasmus-Koordinatorin wollte mich in „Deutsche Denker“ oder so ähnlich stecken, aber ganz ehrlich, Texte von Kant, Nietzsche, Hegel oder Freud finde ich schon auf Deutsch nicht gerade einfach, und dann das ganze auf Französisch ------- äh, nein! :), die erste Sitzung war echt ganz interessant, sowie auch der Kurs „Vergleich von heutigen europäischen Gesellschaften“. Allerdings gehen hier die Veranstaltungen viel länger als bei uns, meistens drei volle Stunden, manchmal sogar vier… Diese Woche werde ich mir meine Judaistik-Kurse suchen.
Dann mache ich wahrscheinlich noch einen Französisch für Ausländer Kurs, mein Französisch ist doch ein wenig eingerostet, wie ich merke. Gut also, dass ich (noch) nicht in die Erasmus-Falle getappt bin, ich werde im Centre echt ganz gut auf Französisch beschallt. Die meisten Franzosen zeigen sich zwar von meinen Französischkenntnissen absolut begeistert, allerdings hängt hier die Messlatte auch ein wenig tiefer :)… Die meisten sprechen… na ja Französisch eben. Und vielleicht ne Handvoll Englisch. Oder ne Handvoll Spanisch. Wenn ich mich mit ihnen unterhalte, beteuern sie ständig, dass sie sich z.B. auf Englisch niemals so gut verständigen könnten. Und sie zeigen sich noch begeisterter darüber, dass ich neben Französisch auch noch Deutsch, Hebräisch und Englisch spreche. Ich traue mich dann schon gar nicht mehr, zu erzählen, dass ich ein bisschen Spanisch kann und zwei Semester Russisch belegt habe :). Schon lustig, die Franzosen.
Am Freitag Abend war ich beim Rabbi und seiner Familie zum Schabbatgebet und – essen eingeladen. Das war wirklich schön, natürlich auch sehr religiös. Ich kam mir zwar ein bisschen komisch vor, als mir die 7-jährige Tocher (eines der sechs Kinder!) zeigen musste, auf welcher Seite wir uns im Gebetsbuch befinden :), aber nun gut, klar dass ich nicht so gut bescheid weiß, wie das Kind eines Rabbiners – ich war wirklich beeindruckt, die Kiddies können fast alle Gebete etc. auswendig. Der Abend war auf jeden Fall sehr angenehm und entspannt und es gab sehr leckeres Schabbat-Essen.
Der Rabbi scheint richtig „cool“ und locker zu sein, er ist noch recht jung, und organisiert auch viele Veranstaltungen für die Jugend der Gemeinde. Nächste Woche wird zum Beispiel ein Karaoke-Abend stattfinden. Vielleicht gehe ich sogar hin, mal schauen. Obwohl das Repertoire wohl fast nur aus Französischen Liedern bestehen wird. Jaja, die Franzosen :).
So, dies war also eine kleine Zusammenfassung meiner ersten Woche in Frankreich…
Gehabt euch wohl und bis bald.
Rachelie
Cours Mirabeau
La Rotonde
nur so :)
Nachtrag von heute = Freitag:
Dieser Eintrag ist schon ein paar Tage alt, da ich in meinem Zimmer leider kein Internet habe und die letzten Tage mit einer Angina flach lag… Bin immer noch krank, aber der Alltag bleibt deswegen ja nicht stehen, sprich ich muss Kurse besuchen. Mittlerweile habe ich alle meine Kurse gewählt, fünf Stück an der Zahl, ich glaube, damit bin ich inklusive Vor- und Nachbereitung relativ ausgelastet. Bis auf einen 1,5-stündigen Kurs gehen alle drei Stunden. Aber nächste Woche habe ich eine Woche Ferien, da kann ich mich auskurieren.
Und hier noch, wie gewünscht, ein paar Photos von meinem Zimmer. Hoffe man kann sich ein bisschen ein Bild machen. Ist schon ziemlich grau, habe versucht es mit ein paar Photos und Postkarten gemütlicher zu gestalten. Werde noch schauen, dass ich ein paar hübsche Poster beschaffe.
Eingang in mein Zimmer. Wenn man links aus der Tür raus geht, ist das Bad, geradeaus meine Eingangstür, rechts ein Kleiderschrank
naja, mein Bett halt...
meine hübsch mit Davidstern vergitterten Fenster (rechts daneben befindet sich noch eins)... direkt gegenüber ist die Synagoge. Unter diesem Regal steht ein Schreibtisch
Küchenzeile
P.S. Gestern, also am Donnerstag, hat es hier tatsächlich GESCHNEIT!!! Ich war wirklichbaff, als die Schneeflocken auf mein Haupt rieselten! Es hat wohl schon im Dezember oder Januar geschneit, aber das passiert hier echt selten. Verrückt…
P.S.2. Gerade war ich das erste Mal in der Bib und habe mir ein Buch für meinen Judaistik-Kurs ausgeliehen, da fällt mir doch ein Buch von "unserm" Peter Schäfer in die Hand (und die Auswahl is nich sooo groß)... Und man darf hier in der Bib ESSEN... also natürlich nich zwischen den Regalen, aber an den Arbeitsplätzen, und man muss gar nix umständlich einschließen, alles darf mit rein *freu* :).